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Bauen ums Haus7 Minuten

Überdachung, Balkon und Laube

Licht

Vordach, Terrassendach, Balkon und die historische Laube: wie sie gebaut sind, wie der Anschluss an die Altbauwand gelingt und was Fachleute planen müssen.

Der weite Dachüberstand und die Laube darunter sind die wahrscheinlich klügste Erfindung des alpenländischen Bauernhauses: ein trockener Arbeitsplatz im Freien, ein Trockenboden für Flachs, Kräuter und Wäsche – und nebenbei ein Regenschirm für die Wand darunter. Wer heute ein Vordach, eine Terrassenüberdachung oder einen Balkon plant, kann davon viel lernen. Vor allem eines: Alles, was an einem alten Haus hängt, muss mit dessen Wand zurechtkommen.

Wofür und für wen?

  • Vordach über der Haustür: schützt Tür, Schwelle und Besucher. An Wetterseiten verlängert es das Leben einer alten Holztür um Jahrzehnte (mehr zu Türen und Beschlägen).
  • Terrassenüberdachung: macht den Sitzplatz regenfest, nimmt aber den Räumen dahinter Licht. Alte Häuser haben kleine Fenster; eine tiefe Überdachung vor der Stube macht aus einem gemütlichen Raum schnell einen finsteren.
  • Balkon oder Laube: Freisitz im Obergeschoss, Wetterschutz für die Fassade, am Bauernhaus ein prägendes Gestaltungselement.

Varianten und Bauweisen

Die historische Laube

Laube, Schrot, Gang, Altane – die Begriffe gehen regional durcheinander. Gemeint ist meist der hölzerne Balkon am Obergeschoss oder im Giebel, wie er zum oberbayerischen Einfirsthof und zum Waldlerhaus gehört. Konstruktiv ist die klassische Laube einfach: Die Deckenbalken des Hauses laufen durch die Außenwand hindurch nach draußen und tragen dort den Bretterboden. Weil der Balken im Haus eingespannt ist, braucht es keine Stützen. Die Brüstung besteht aus Pfosten, Handlauf und einer Füllung aus ausgesägten Brettern oder gedrechselten Stäben. Darüber ragt das Dach so weit vor, dass die Laube kaum Regen sieht – deshalb haben viele dieser Konstruktionen zweihundert Jahre ohne jeden Anstrich überstanden.

Die Altane im engeren Sinn ist dagegen ein Austritt, der auf eigenen Stützen vom Boden aus steht. Für Neubauten am alten Haus ist genau das oft die beste Idee.

Neue Konstruktionen

Bauart Prinzip Einschätzung am Altbau
Auskragend auf Deckenbalken wie die historische Laube nur, wo die Balken es hergeben – Nachweis durch Tragwerksplanung
Vorgestellt auf eigenen Stützen Balkon oder Dach steht selbst, Wand wird nur berührt schont die Substanz, rückbaubar, meist erste Wahl
Angehängt mit Konsolen oder Zugstäben Last geht über Anker in die Wand in Bruchstein, Lehm und altem Ziegel heikel; nur mit Statik und Auszugsversuchen
Freitragendes Vordach auf Holzkonsolen zwei Kopfbänder oder Bügen an der Wand, kleines Pult- oder Satteldach bewährt für kleine Vordächer, Befestigung trotzdem fachgerecht planen

Terrassendächer aus Glas sind beliebt, weil sie hell bleiben. Sie werden aber heiß, zeigen jeden Schmutz und brauchen für die Überkopfverglasung geeignetes Sicherheitsglas samt passender Unterkonstruktion – das ist Fachplanung. Ein geschlossenes Dach mit Ziegel, Blech oder Holzschindeln fügt sich am alten Haus fast immer besser ein; welche Deckung wohin passt, steht unter Dachdeckungen.

Material und Konstruktion

Holz und Holzschutz. Tragende Teile unter Dach: Fichte, Tanne oder Lärche. Bewitterte Teile wie Brüstungen, Bodenbretter und Stützen an der Wetterseite: Lärche, Douglasie oder Eiche, jeweils Kernholz (siehe Holz im Altbau). Der beste Holzschutz ist ein Dach darüber. Wo das nicht reicht, helfen die alten Zimmermannsregeln: waagrechte Flächen abschrägen, Hirnholz abdecken oder zurücksetzen, Tropfkanten ausbilden, Bretter so fügen, dass Wasser abläuft statt in Fugen zu stehen. Stützen stehen auf Pfostenfüßen oder Steinsockeln mit Abstand zum Boden, nie im Erdreich. Fundamente reichen in frostfreie Tiefe; beim Graben neben dem Haus an die flachen alten Fundamente denken (Fundament und Sockel).

Balkonboden. Zwei Wege: offene Bretter mit Fugen, durch die Wasser abtropft – einfach, historisch richtig, funktioniert unter einem breiten Dachüberstand bestens. Oder ein dichter Belag mit Abdichtung und Entwässerung, wenn darunter ein Sitzplatz trocken bleiben soll. Dichte Aufbauten auf Holz verzeihen keine Fehler: Eine kleine Undichtigkeit bleibt jahrelang unbemerkt, während darunter der Balken fault.

Der Anschluss an die Altbauwand. Hier entscheidet sich, ob die Überdachung dem Haus nützt oder schadet.

  • Lastabtragung: Schnee drückt, Wind saugt, und ein voll besetzter Balkon wiegt viel. Eine alte Wand aus Bruchstein mit Kalkmörtel, aus Lehm oder aus mürbem Ziegel hält Dübel schlecht; eine Blockwand arbeitet mit den Jahreszeiten, Fachwerk hat tragende Hölzer nur an bestimmten Stellen. Jede Konstruktion, die Lasten in die Wand einleitet, braucht deshalb eine Tragwerksplanung, die den tatsächlichen Wandaufbau kennt. Der einfachste Ausweg: eine wandnahe Stützenreihe, sodass die Wand gar nichts tragen muss.
  • Abdichtung: Das Wasser vom neuen Dach darf nie zur Hauswand laufen. Also Gefälle weg vom Haus, Rinne an der Außenkante. Oben wird der Übergang mit einem Wandanschlussblech gesichert, das in eine Putzfuge eingelassen und mit einer Überhangleiste abgedeckt wird; bei Holzfassaden führt man das Blech hinter die Schalung. Silikon ist keine Abdichtung, sondern ein Wartungsvertrag mit sich selbst.
  • Bewegung: Alt und Neu setzen und bewegen sich unterschiedlich. Anschlüsse müssen das mitmachen – gleitend, überlappend, nicht starr verklebt.
  • Spritzwasser: Ein Terrassendach verlagert die Tropfkante. Wo das Wasser künftig aufschlägt, soll es versickern oder abgeleitet werden, nicht den Sockel duschen.

Verbindungsmittel. Im Freien feuerverzinkt oder nichtrostend; in Eiche, Lärche und Douglasie Edelstahl.

Bestehende Lauben prüfen und reparieren

Die Schwachstelle der historischen Laube ist der Punkt, an dem der Kragbalken die Wand durchdringt. Läuft dort Wasser entlang – weil das Dach verkürzt wurde, die Rinne fehlt oder ein dichter Anstrich die Feuchte einsperrt –, fault der Balken genau an seiner höchstbelasteten Stelle, außen womöglich noch sauber anzusehen. Weitere Kandidaten: Brüstungspfosten am Fuß und Bodenbretter unter aufgelegtem Kunstrasen.

Eine Laube, die federt, sich neigt oder deren Balkenköpfe sich mit dem Schraubendreher eindrücken lassen, wird gesperrt, bis ein Zimmerer oder Tragwerksplaner sie angesehen hat. Reparieren lässt sich fast alles: Balkenköpfe anschuhen, einzelne Kragbalken ersetzen, Brüstungsbretter nach altem Muster nachsägen. Ob ein Befall durch Pilze oder Insekten dahintersteckt, klären die Beiträge zu Hausschwamm und Holzpilzen und Holzschädlingen – und im Ernstfall ein Holzschutz-Sachverständiger.

Absturzsicherung

Ab einer gewissen Absturzhöhe sind Geländer vorgeschrieben; Mindesthöhen und Details regelt die jeweilige Landesbauordnung. Für die Praxis wichtig:

  • Die Brüstung muss Menschen aushalten, die sich dagegenlehnen. Das hängt an den Pfosten und ihrer Verankerung – ein tragendes Detail, keine Zier.
  • Wo Kinder unterwegs sind: keine waagrechten Latten, die als Leiter dienen, und Öffnungen so eng, dass kein Kopf hindurchpasst.
  • Historische Brüstungen sind oft niedriger als heute verlangt. Bei Sanierungen lässt sich meist eine Lösung finden, die das Bild erhält, etwa ein zusätzlicher schlichter Handlauf über der alten Brüstung. Das stimmst du mit Bauamt und – beim Denkmal – mit der Denkmalpflege ab, nicht mit dem Bauchgefühl.

Was zum alten Haus und ins Dorfbild passt

Ein Vordach ist klein und leicht: zwei Konsolen, ein Pult- oder Satteldächlein, gedeckt wie das Haus oder mit Blech. Eine Terrassenüberdachung wirkt stimmig, wenn sie wie ein Nebengebäude gedacht ist – Pfosten, Pfette, Kopfbänder, ruhiges Pultdach – und nicht wie ein Wintergarten-Bausatz. Balkone sitzen dort, wo sie historisch saßen: unter dem Dachüberstand an Giebel oder Traufe, über die ganze Breite oder gar nicht, nicht als einzelne Kanzel mitten in der Fassade. Bei Putzbauten ohne Laubentradition, etwa im Jurahaus-Gebiet oder an vielen fränkischen Häusern, ist ein Balkon ein Fremdkörper; dort ist der Sitzplatz im Garten die bessere Antwort.

Brüstungsformen unterscheiden sich von Tal zu Tal; statt Katalogornament lohnt ein Spaziergang durchs Dorf. Für Farbe gilt: unbehandelt oder offenporig gestrichen, siehe Historische Anstriche.

Genehmigung und Nachbarn

Kleine Vordächer und Terrassenüberdachungen sind je nach Bundesland und Größe häufig verfahrensfrei, Balkone oft nicht. Unabhängig davon gelten Abstandsflächen, Bebauungsplan oder Gestaltungssatzung, die Regeln für den Außenbereich und der Denkmalschutz – am Baudenkmal ist jede Veränderung der Fassade erlaubnispflichtig (Denkmalschutz und Förderung). Ein Balkon schaut zudem dem Nachbarn in den Garten; ein frühes Gespräch erspart späteren Ärger. Erst zum Bauamt, dann planen.

Typische Fehler

  • Überdachung mit Dübeln in eine Wand gehängt, deren Aufbau niemand kannte.
  • Wandanschluss nur mit Dichtstoff, Wasser läuft hinter den Putz.
  • Gefälle zum Haus oder fehlende Rinne.
  • Dichter Bodenbelag auf alten Laubenbrettern, darunter Dauernässe.
  • Dachüberstand bei einer Dachsanierung gekürzt – und damit der Laube den Regenschirm genommen.
  • Filmbildender Lack auf Brüstungen, der reißt, Wasser einlässt und nicht mehr hinauslässt.

Pflege und Lebensdauer

Einmal im Jahr hinschauen: Rinnen und Abläufe frei, Anschlussbleche fest, Bodenbretter trocken, Brüstung wackelfrei? Blumenkästen so aufhängen, dass Gießwasser nicht ins Holz läuft. Offenporige Anstriche nach Bedarf auffrischen. Eine gut überdachte Laube ist eine Konstruktion für Generationen; ungeschützte Balkone aus Nadelholz dagegen sind nach wenigen Jahrzehnten fällig. Wer für Planung und Bau kein Team findet: Bauteam anfordern.

Kurz gesagt

  • Die historische Laube funktioniert, weil sie unter einem weiten Dach hängt und ihre Balken aus dem Haus kommen.
  • Neue Überdachungen und Balkone am besten selbsttragend auf eigenen Stützen; Lasten in alte Wände nur mit Tragwerksplanung.
  • Der Wandanschluss braucht Blech, Gefälle und Bewegungsfreiheit – kein Silikon.
  • Kragbalken an der Wanddurchdringung sind die kritische Stelle alter Lauben; bei Zweifeln sperren und prüfen lassen.
  • Brüstungen sind Sicherheitsbauteile; Höhen und Details regelt die Landesbauordnung.
  • Balkone sind oft genehmigungspflichtig, am Denkmal immer abzustimmen.

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