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Hausformen6 Minuten

Das Waldlerhaus im Bayerischen Wald

Licht

Niedrig, breit, aus Holz auf Granit: wie das Waldlerhaus aufgebaut ist, wo seine Schwachstellen liegen und wie man es saniert, ohne es zu erdrücken.

Ein Waldlerhaus duckt sich. Es steht niedrig und breit am Hang, das flache Dach weit heruntergezogen, unten ein paar Lagen Granit, darüber dunkles Holz, im Giebel ein Balkon unter Brettern. Es ist das Haus von Leuten, die mit wenig Boden, viel Schnee und reichlich Holz auskommen mussten – und genau das macht es heute so anziehend und in der Sanierung so eigen.

Wo es steht und wer es gebaut hat

Waldlerhaus nennt man das traditionelle Bauernhaus des Bayerischen Waldes, vom Vorwald an der Donau bis zum Grenzkamm, mit Verwandten im Oberpfälzer Wald und auf der böhmischen Seite. Eine scharf abgegrenzte Bauform ist das nicht, eher eine Familie ähnlicher Häuser. Gemeinsam ist ihnen der Hintergrund: karge, saure Böden, raues Klima, kleine Betriebe mit ein paar Stück Vieh, etwas Hafer, Roggen, Flachs und Erdäpfeln. Viele Bewohner waren Kleinbauern und Häusler, die nebenher im Wald, in der Glashütte oder am Webstuhl arbeiteten.

Entsprechend sparsam ist das Haus. Gebaut wurde mit dem, was vor der Tür lag: Fichte und Tanne für Wände und Dach, Granit und Gneis aus dem Acker für Sockel und Stall. Kalk war im Urgesteinsgebiet knapp und teuer, was erklärt, warum hier so lange in Holz gebaut wurde.

Woran du es erkennst

  • ein- bis eineinhalbgeschossiger, breit gelagerter Baukörper, oft quer oder schräg zum Hang
  • Wohnteil und Stall unter einem First (Einfirsthaus), bei größeren Anwesen mit separatem Stadel im Winkel
  • Wohnteil in Blockbau auf einem Sockel aus Bruchstein; Stallteil häufig gemauert
  • flach geneigtes Satteldach mit weitem Überstand, ursprünglich mit Legschindeln gedeckt und mit Steinen beschwert
  • im Giebel der Schrot, ein Balkon unter dem Dachüberstand, das Giebeldreieck darüber verbrettert
  • kleine Fenster, oft mit Winterfenstern zum Vorhängen
  • wetterseitig Verschindelung oder Bretterschirm

Aufbau

Den Grundriss bestimmt wie fast überall in Altbayern der Fletz, der Flur, der das Haus von der Traufseite her quer erschließt. Auf der einen Seite liegt in der sonnigen Ecke die Stube – der einzige wirklich warme Raum, mit Kachelofen oder gemauertem Ofen, Ofenbank, Eckbank und Herrgottswinkel. Dahinter oder daneben die Küche, ursprünglich eine Rauchküche, von der aus der Stubenofen beschickt wurde, und eine kleine Kammer oder das Stüberl für die Alten. Auf der anderen Seite des Fletz oder in Verlängerung des Hauses folgt der Stall, oft direkt vom Flur aus zugänglich. Unterm Dach liegen Heuboden und ein, zwei Schlafkammern, der Schrot im Giebel diente zum Trocknen von Flachs, Wäsche und Kräutern.

Einen Keller im heutigen Sinn gibt es selten. Üblich ist ein kleiner, in den Hang gegrabener Erdäpfelkeller unter der Stube oder ein separater Erdkeller nahe beim Haus. Zu etwas größeren Anwesen gehört ein kleines Austragshaus, im Wald oft Inhaus genannt, in dem die Altbauern oder Inwohner lebten; mehr dazu bei den Nebengebäuden.

Das Dach ist ein flaches Pfetten- oder Sparrendach mit kräftigen Hölzern, ausgelegt auf Schindeln, Beschwersteine und die erheblichen Schneelasten der Gegend. Legschindeln halten nicht ewig und müssen regelmäßig umgedreht und ersetzt werden. Im 20. Jahrhundert kamen deshalb Blech, Faserzementplatten oder Ziegel aufs Dach, bei Ziegeln oft verbunden mit einer steileren Neigung – das Haus bekam gewissermaßen einen neuen Hut, der nicht immer passt. Die Grundlagen stehen unter Dachdeckungen.

Heutiger Zustand

Das Waldlerhaus gehört zu den stark dezimierten Hauslandschaften Bayerns. Nach dem Krieg galt das niedrige Holzhaus als Zeichen von Armut; wer konnte, baute daneben neu und ließ das alte verfallen oder riss es ab. Was heute noch steht, ist entweder stark überformt – verputzt, aufgestockt, mit großen Fenstern und Faserzementplatten an der Wetterseite – oder erstaunlich unberührt, weil jahrzehntelang nur die Großmutter darin gewohnt hat. Gut erhaltene Beispiele stehen in der Regel unter Denkmalschutz. Eine ganze Reihe von Häusern aus dem Bayerischen Wald zeigt das Freilichtmuseum Finsterau.

Typische Schwachstellen

Schwellenkranz. Der unterste Balken liegt auf dem Steinsockel, und der ist oft nur zwei, drei Handbreit hoch. Hangseitig ist das Gelände über die Jahrzehnte angewachsen, außen wurde gepflastert oder betoniert – und irgendwann liegt das Holz im Spritzwasser oder gleich im Erdreich. Faule Schwellen sind der häufigste ernste Schaden.

Hangwasser. Das Haus steht am Hang, die Rückwand bekommt das Wasser ab. Früher leitete ein offener Graben es ums Haus, heute ist der oft verfüllt. Feuchte Rückwände und nasse Stallmauern sind fast immer ein Wasserführungsproblem; mehr unter Feuchtigkeit: die fünf Ursachen.

Versteckte Blockwand. Hinter Verschindelung, Putz auf Schilfrohr oder Faserzementplatten sieht man den Zustand des Holzes nicht. Gerade dort, wo Putz die Wand dicht eingepackt hat, kann sie gelitten haben. Alte Faserzementplatten können Asbest enthalten – den Rückbau übernimmt ein Fachbetrieb.

Insekten und Pilze. Nadelholz, unbeheizte Bereiche, feuchte Fußpunkte: gute Bedingungen für Hausbock und Nagekäfer. Ob ein Befall aktiv ist, kann ein Holzschutz-Sachverständiger beurteilen; ein paar alte Fluglöcher sind noch kein Todesurteil. Details unter Holzschädlinge.

Raumhöhe. In der Stube sind knapp zwei Meter üblich, in den Kammern unterm Dach weniger. Das ist kein Mangel, sondern Heiztechnik: weniger Luft, die der Ofen wärmen muss.

Was das für die Sanierung heißt

Erst das Wasser, dann das Holz. Gelände rund ums Haus wieder absenken, Spritzwasserbereich mit Kies statt Beton, Hangwasser fassen und ableiten, Dachrinnen in Ordnung bringen. Das kostet vergleichsweise wenig und entscheidet über alles Weitere.

Schwellentausch ist Zimmererarbeit. Das Haus wird abschnittsweise abgestützt oder angehoben, die faulen Balken werden ersetzt, der Sockel ergänzt. Das machen spezialisierte Zimmereien, und ein Tragwerksplaner sollte vorher draufschauen. Eigenleistung ist hier fehl am Platz.

Nicht nach unten graben. Die naheliegende Idee, für mehr Raumhöhe den Boden tieferzulegen, ist heikel: Die Fundamente sind flach, oft nur ein paar Steinlagen. Wer daneben ausschachtet, nimmt ihnen den Halt. Wenn überhaupt, dann nur mit statischer Planung – und meist ist es klüger, die Höhe anzunehmen und lieber Türstürze und Stolperstellen zu entschärfen.

Dach: leicht bleiben. Bevor eine schwere Deckung aufs Dach kommt, muss jemand rechnen, was der alte Dachstuhl zusätzlich zur Schneelast trägt. Eine neue Legschindeldeckung ist möglich, aber pflegeintensiv; häufig läuft es auf eine Blech- oder leichte Ziegeldeckung mit Unterdach hinaus. Beim Denkmal spricht die Behörde mit.

Dämmen mit Gefühl. Die Blockwand ist der Wärmeschutz des Hauses, und sie muss Feuchte aufnehmen und wieder abgeben können. Innen funktionieren Holzfaserplatten mit Lehmputz oder eine schlichte Lehmschicht, ohne Folie; Fugen werden mit Hanf, Flachs oder Schafwolle gestopft. Was dabei bauphysikalisch zu beachten ist, steht unter Innendämmung. Den größten Effekt bei kleinstem Risiko bringt meist die Dämmung der obersten Decke.

Heizen wie gedacht. Das Haus ist um einen Ofen herum gebaut. Ein guter Kachelofen in der Stube, ergänzt um eine zurückhaltende Wandheizung oder ein paar Heizkörper, passt besser als der Versuch, jede Kammer auf 22 Grad zu bringen.

Kurz gesagt

  • Das Waldlerhaus ist ein niedriges Einfirsthaus aus dem Bayerischen Wald: Blockbau auf Granitsockel, flaches Dach, Schrot im Giebel, Stall unter demselben First.
  • Es ist das Haus kleiner Betriebe in rauem Klima – sparsam, kompakt, um den Stubenofen herum organisiert.
  • Viele Häuser sind verschwunden oder stark überformt; gut erhaltene stehen meist unter Denkmalschutz.
  • Hauptschäden: faule Schwellen, Hangwasser, verdeckte Blockwände, Insektenbefall.
  • Bei der Sanierung gilt: Wasser weg vom Haus, Schwellen vom Fachbetrieb tauschen lassen, nicht unter die Fundamente graben, das Dach leicht halten, diffusionsoffen dämmen.

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