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Dachdeckungen: Legschindel, Biber, Kalkplatte, Schiefer, Blech

Licht

Von der Legschindel bis zum Falzziegel: welche Deckung zu welchem Dach gehört, woran du sie erkennst und was beim Umdecken zu beachten ist.

Das Dach ist die Bauernregel unter den Bauteilen: Solange es dicht ist, verzeiht ein altes Haus fast alles, und wenn nicht, hilft der Rest auch nichts mehr. Womit gedeckt wurde, hing von der Region ab, vom Geldbeutel und davon, was Wald, Steinbruch oder Ziegelei in der Nähe hergaben. Bis heute prägt die Deckung ganze Landschaften.

Dachneigung und Deckung gehören zusammen

Jede Deckung braucht ihre Neigung. Lose aufgelegte Schindeln oder Steinplatten würden von einem steilen Dach rutschen, also sind solche Dächer flach. Stroh, genagelte Schindeln und einfach verlegte Ziegel brauchen dagegen ein steiles Dach, damit das Wasser schnell abläuft. Für dich heißt das umgekehrt: Die Neigung verrät oft noch die ursprüngliche Deckung, auch wenn längst etwas anderes draufliegt. Ein flach geneigtes Dach im Oberland war einmal ein Legschindeldach, ein sehr steiles im Flachland womöglich ein Strohdach.

Deckung Neigung Gewicht Wo und wann typisch
Legschindel flach mittel, mit Steinen beschwert Alpen und Voralpenland, bis ins 20. Jahrhundert
Scharschindel mittel bis steil leicht Alpenraum, Allgäu, Bayerischer Wald, auch als Wandschutz
Stroh, Reet steil leicht früher weit verbreitet, heute fast nur im Museum
Biberschwanz steil, später auch flacher mittel bis schwer fast überall, klassischer Ziegel Süddeutschlands
Mönch und Nonne mittel bis steil schwer Kirchen, Klöster, Städte, stattliche Höfe
Falzziegel mittel bis steil mittel ab dem späten 19. Jahrhundert überall
Kalkplatten flach sehr schwer Altmühltal und südliche Frankenalb
Schiefer mittel bis steil mittel Nordbayern, vor allem Frankenwald und Umgebung
Blech sehr flach bis steil sehr leicht ab dem 19. Jahrhundert, oft als Ersatz für Schindeln

Holz: Legschindel und Scharschindel

Legschindeln sind lange, aus dem Stamm gespaltene Bretter aus Lärche oder Fichte. Sie wurden in mehreren Lagen lose aufs flache Dach gelegt und mit Stangen und Steinen beschwert. Alle paar Jahre hat man sie gewendet und umgelegt, schadhafte aussortiert. Das Bild vom flachen Dach mit den Steinen drauf gehört zum oberbayerischen Einfirsthof wie der Balkon. Erhalten ist diese Deckung nur noch selten. Meist liegt auf dem flachen Dachstuhl heute Blech oder ein Ziegel, der für flache Neigungen zugelassen ist.

Scharschindeln sind kleiner, werden genagelt und überdecken sich mehrfach. Sie taugen für steilere Dächer und als Wetterschutz an Wänden, wie man ihn im Allgäu und im Bayerischen Wald sieht. Entscheidend ist das Spalten: Eine gespaltene Schindel folgt der Holzfaser, das Wasser läuft an den unverletzten Fasern ab. Gesägte Schindeln haben angeschnittene Fasern, saugen mehr Wasser und halten kürzer. Wie lange ein Schindeldach hält, hängt an Holzart, Neigung und Lage. Jahrzehnte sind es bei guter Arbeit allemal.

Stroh und Reet

Strohdächer waren bis ins 19. Jahrhundert auch in Bayern verbreitet, vor allem im Flachland, wo Getreide wuchs und Holz oder Ziegel teuer waren. Sie verschwanden, weil Feuerordnungen und Brandversicherungen harte Deckungen verlangten. Geblieben sind oft die steilen Dachstühle, auf denen heute Ziegel liegen. Wer wissen will, wie so ein Dach aussah und roch, geht ins Freilichtmuseum.

Ziegel: Biberschwanz, Mönch und Nonne, Falzziegel

Der Biberschwanz ist eine flache Ziegelplatte mit einer Nase zum Einhängen an der Dachlatte, unten meist rund, manchmal gerade oder spitz geschnitten. Es gibt zwei Arten, ihn zu verlegen. Bei der Einfachdeckung liegen die Ziegel nebeneinander, und unter jede Längsfuge wird ein dünner Holzspan geschoben, der Spließ. Das spart Ziegel und Gewicht, war die übliche Deckung für Stadel und einfache Häuser und muss gepflegt werden. Bei der Doppel- oder Kronendeckung überlappen sich die Ziegel so, dass überall mindestens zwei Lagen liegen. Das ist dicht und langlebig, aber schwer.

Handgestrichene Biber erkennst du an den Rillen, die der Ziegler mit den Fingern in die Oberfläche gezogen hat, damit das Wasser zur Mitte läuft. Manchmal findet sich ein „Feierabendziegel” mit Jahreszahl, Namen oder einer Zeichnung. Aufheben!

Mönch und Nonne sind halbrunde Hohlziegel. Die Nonne liegt mit der Wölbung nach unten und bildet die Rinne, der Mönch deckt mit der Wölbung nach oben die Fuge zwischen zwei Nonnen. Die Deckung ist schwer, wurde oft in Mörtel verlegt und war eher eine Sache für Kirchen, Klöster, Bürgerhäuser und wohlhabende Höfe.

Falzziegel sind Kinder der Industrialisierung. Sie werden maschinell gepresst und greifen mit seitlichen und oberen Falzen ineinander, sodass eine einzige Lage dicht ist. Auf dem Land tauchen sie etwa ab den 1880er-Jahren auf und haben bis in die 1950er unzählige Dächer erobert. Typisch sind Modelle mit zwei Mulden oder einer herzförmigen Prägung. Für viele alte Modelle gibt es keinen Neuersatz mehr, wohl aber gebrauchte Ziegel im historischen Baustoffhandel.

Ab den 1950er- und 60er-Jahren kamen Betondachsteine dazu. Sie sind schwerer, als sie aussehen, und an der rauen, mit den Jahren ausgewaschenen Oberfläche zu erkennen.

Stein: Kalkplatten und Schiefer

Im Altmühltal und auf der südlichen Frankenalb wurden Dächer mit dünnen Platten aus dem örtlichen Plattenkalk gedeckt. Die Platten liegen lose in vielen Schichten übereinander auf einem flach geneigten, sehr kräftigen Dachstuhl. So ein Dach wiegt ein Mehrfaches eines Ziegeldachs. Die hellgraue, leicht bucklige Dachfläche ohne nennenswerten Überstand ist das Markenzeichen des Jurahauses. Decken können das nur noch wenige Spezialisten. Wer ein solches Dach besitzt, redet früh mit der Denkmalpflege, auch wegen möglicher Zuschüsse.

Schiefer gehört nach Nordbayern, vor allem in den Frankenwald und seine Nachbarschaft, wo er gebrochen wurde. Die dünnen dunklen Platten werden auf eine Holzschalung genagelt, auf dem Dach ebenso wie an Giebeln und Wetterseiten. Guter Schiefer hält viele Jahrzehnte. Oft geben die Nägel früher auf als der Stein, dann rutschen einzelne Platten. Das lässt sich reparieren, ohne das ganze Dach neu zu decken.

Blech

Blechdächer aus verzinktem Eisen oder Zink, in Bahnen mit aufgekanteten und gefalzten Nähten verlegt, sind leicht und funktionieren auch bei sehr flacher Neigung. Deshalb haben sie im Alpenraum vielfach die Legschindeln abgelöst. Schwachpunkte sind Rost bei vernachlässigtem Anstrich und Kondenswasser an der Unterseite, wenn die Konstruktion darunter nicht belüftet ist. Das wird wichtig, sobald der Dachraum ausgebaut wird.

Asbestzement: nicht anfassen

Wellplatten und kleinformatige Fassaden- und Dachplatten aus Faserzement waren von etwa den 1950er-Jahren bis zum Verbot Anfang der 1990er äußerst beliebt, gerade auf Stadeln, Garagen und Anbauten. Bis zum Verbot enthielt dieses Material in aller Regel Asbest. Solange die Platten unbeschädigt liegen, ist die Gefahr gering. Gefährlich wird es, wenn Fasern frei werden: beim Bohren, Brechen, Schleifen, Abbürsten und beim Reinigen mit dem Hochdruckreiniger. All das ist tabu, ebenso das Beschichten oder Überdecken. Ob Asbest drin ist, klärt ein Labor. Rückbau und Entsorgung gehören in die Hände von Fachbetrieben mit der entsprechenden Sachkunde. Außerdem sind alte Wellplatten nicht trittsicher, es gibt regelmäßig schwere Unfälle durch Durchbrechen. Mehr dazu unter Schadstoffe im Altbau.

Was das für die Sanierung bedeutet

  • Umdecken statt wegwerfen. Gute alte Ziegel halten noch Jahrzehnte. Ein Dachdecker kann sie abnehmen, sortieren, die Lattung erneuern und wieder eindecken, ergänzt durch gebrauchte Ziegel gleicher Art.
  • Gewicht beachten. Wer von Blech oder Falzziegel auf Biber-Doppeldeckung wechselt, belastet den Dachstuhl deutlich stärker. Das rechnet ein Tragwerksplaner nach, bevor bestellt wird.
  • Unter der Deckung diffusionsoffen bleiben. Alte Dächer waren zugig und trockneten deshalb immer wieder ab. Wer dämmt und eine Unterdeckung einzieht, braucht ein stimmiges Konzept, siehe Dach sanieren und dämmen.
  • Ortsbild und Denkmalschutz. Material, Farbe und Form der Deckung sind oft durch Satzungen oder Denkmalauflagen geregelt. Vor der Bestellung mit Gemeinde und Denkmalbehörde reden, siehe Denkmalschutz und Förderung.
  • Arbeiten auf dem Dach sind Facharbeit. Absturz ist die häufigste schwere Unfallursache am Bau. Was du selbst tun kannst: den Dachraum bei Regen und bei Sonne von innen absuchen (Wasserspuren, Lichtpunkte), Dachrinnen sauber halten und Schäden früh melden.

Typische Fehler

  • Moos mit dem Hochdruckreiniger entfernen. Das raut Ziegel auf und drückt Wasser unter die Deckung.
  • „Dachbeschichtungen” vom Haustürvertreter. Alte Ziegel brauchen keine Farbe.
  • Dichte Folien unter alter Deckung ohne Belüftung. Dann tropft das Kondenswasser auf den Dachstuhl.
  • Schwerere Deckung ohne Statik.
  • Einzelne fehlende Ziegel jahrelang ignorieren. Der Dachschaden von heute ist der Balkenschaden von übermorgen.

Kurz gesagt

  • Die Dachneigung verrät die ursprüngliche Deckung: flach für Legschindel und Kalkplatte, steil für Stroh und einfach gedeckte Ziegel.
  • Biberschwanz, Falzziegel und Schindel lassen sich reparieren und umdecken. Gebrauchter Ersatz ist oft zu bekommen.
  • Kalkplatten- und Schieferdächer sind regionale Spezialitäten für spezialisierte Handwerker.
  • Faserzement aus der Zeit vor dem Asbestverbot nicht bearbeiten, nicht reinigen, nicht betreten. Fachbetrieb rufen.
  • Vor einem Wechsel der Deckung Gewicht, Statik und Auflagen klären.

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