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Dämmstoffe, die zum Altbau passen

Licht

Holzfaser, Zellulose, Hanf, Schafwolle, Schilf, Kork, Kalziumsilikat, Mineralschaum: was sie können und warum im Altbau das Feuchteverhalten zählt.

Im Neubau wird ein Dämmstoff nach seinem Dämmwert und dem Preis ausgesucht. Im alten Haus kommt eine dritte Frage dazu, und sie ist die wichtigste: Was macht das Material, wenn es feucht wird? Denn in einer alten Wand ist immer etwas Feuchte unterwegs, und ein Dämmstoff, der damit nicht umgehen kann, macht aus einem kalten Haus ein kaltes Haus mit Bauschaden.

Vier Begriffe, die du brauchst

  • Wärmeleitfähigkeit (Lambda, λ): Wie gut ein Material Wärme leitet. Je kleiner der Wert, desto besser die Dämmwirkung. Die meisten hier genannten Stoffe liegen nah beieinander. Der Unterschied zwischen 0,040 und 0,045 entscheidet selten über Erfolg und Misserfolg.
  • Diffusionsoffenheit: Wie leicht Wasserdampf durch das Material wandert.
  • Sorption: Die Fähigkeit, Feuchte aus der Luft in den Fasern oder Poren einzulagern und später wieder abzugeben, ohne dass das Material nass wirkt.
  • Kapillaraktivität: Die Fähigkeit, flüssiges Wasser über feine Poren aufzusaugen und weiterzuleiten wie Löschpapier. Entsteht irgendwo in der Konstruktion Tauwasser, verteilt ein kapillaraktiver Dämmstoff es und transportiert es dorthin, wo es verdunsten kann.

Dazu kommt der sommerliche Hitzeschutz. Schwere Dämmstoffe mit hoher Wärmespeicherfähigkeit, allen voran Holzfaser, halten das Dachgeschoss im Sommer spürbar länger kühl als leichte.

Kapillaraktiv oder dampfdicht: zwei Strategien

Besonders deutlich wird der Unterschied bei der Dämmung von innen. Hinter der Dämmschicht wird die alte Wand im Winter kälter als vorher. Gelangt warme, feuchte Raumluft dorthin, schlägt sich Wasser nieder.

Strategie eins sperrt die Feuchte aus: Dämmstoff plus Dampfbremse oder Dampfsperre auf der Raumseite. Das funktioniert auf dem Papier und im Neubau. Im Altbau mit schiefen Wänden, einbindenden Deckenbalken, Steckdosen und späteren Nägeln ist eine wirklich lückenlose Folie schwer herzustellen, und jedes Leck führt Feuchte gezielt an die kälteste Stelle. Außerdem kann die Wand nicht mehr nach innen abtrocknen, wenn von außen Schlagregen oder von unten Bodenfeuchte kommt.

Strategie zwei arbeitet mit der Feuchte: ein diffusionsoffener, kapillaraktiver Dämmstoff, vollflächig und ohne Hohlräume an die Wand geklebt oder geputzt, mit offenem Putz und offenem Anstrich. Kleine Mengen Tauwasser werden in Kauf genommen, vom Material aufgenommen, verteilt und zum Raum hin wieder abgegeben. Das System ist fehlertoleranter, verlangt aber maßvolle Dämmstärken und eine Planung, die Wandaufbau, Schlagregenbelastung und Nutzung berücksichtigt. Wie das im Einzelnen geht, steht unter Innendämmung.

Im Dach gibt es einen Mittelweg: feuchtevariable Dampfbremsen, die im Winter bremsen und im Sommer öffnen. Dazu mehr unter Dach sanieren und dämmen.

Eines gilt für beide Strategien: Dämmung gehört nie auf eine nasse Wand. Erst die Ursache finden und abstellen, siehe Feuchtigkeit: die fünf Ursachen.

Die Dämmstoffe im Vergleich

Die Lambda-Werte sind Richtwerte. Maßgeblich ist immer das Datenblatt des konkreten Produkts.

Dämmstoff λ etwa (W/mK) Feuchteverhalten Form Typischer Einsatz
Holzfaser 0,038–0,050 sorptiv, kapillaraktiv Platten, Matten, Einblasfaser Dach, Innendämmung, Decken, Fassade
Zellulose 0,038–0,042 sorptiv, offen Flocken zum Einblasen Dachschrägen, Hohlräume, Decken
Hanf 0,040–0,045 sorptiv, robust Matten, Stopfwolle Dach, Holzwände, Fugen
Flachs 0,038–0,045 sorptiv Matten, Filz, Stopfwolle wie Hanf
Schafwolle 0,035–0,045 nimmt sehr viel Feuchte auf Matten, Stopfwolle, Zöpfe Dach, Holzbau, Fugen, Blockwände
Schilfrohr 0,055–0,065 unempfindlich, offen drahtgebundene Platten Putzträger mit Dämmwirkung
Kork 0,040–0,050 unempfindlich, verrottet nicht Platten, Schrot Sockelbereich, Böden, Schüttungen
Kalziumsilikat 0,060–0,070 extrem kapillaraktiv, alkalisch starre Platten Innendämmung, Laibungen, Schimmelecken
Mineralschaum 0,040–0,045 kapillaraktiv, offen starre Platten Innendämmung, Kellerdecken

Holzfaser ist der Allrounder. Feste Platten dienen als Unterdeckung auf den Sparren, als Putzträger und als Innendämmung, weiche Matten klemmen zwischen Sparren und Balken. Holzfaser puffert Feuchte gut und ist beim Hitzeschutz kaum zu schlagen.

Zellulose besteht aus zerfasertem Altpapier mit Brandschutzzusätzen. Sie wird von Fachbetrieben mit Maschinen in Hohlräume eingeblasen und füllt dabei jede Ecke fugenlos aus, auch zwischen krummen Sparren und in schiefen Gefachen. Für alte Dächer und Decken ist das ein großer Vorteil. Wichtig ist die richtige Einblasdichte, sonst setzt sich das Material.

Hanf und Flachs sind zähe Pflanzenfasern, die als Matten oder lose Stopfwolle verarbeitet werden. Sie enthalten kein Eiweiß und sind für Motten uninteressant. Stopfhanf ist das Mittel der Wahl für Fugen um Fenster und zwischen Blockbalken, wo sonst gern zu Bauschaum gegriffen wird. Viele Matten enthalten Stützfasern aus Kunststoff. Wer das nicht will, schaut ins Datenblatt.

Schafwolle kann einen beträchtlichen Teil ihres Eigengewichts an Feuchte aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen oder ihre Dämmwirkung ganz zu verlieren. Als Eiweißfaser braucht sie einen Schutz gegen Motten und Käfer. Frag nach, womit das Produkt ausgerüstet ist.

Schilfrohr ist ein alter Bekannter: Als Rohrmatte trägt es seit Jahrhunderten den Putz an Holzdecken. Dickere, mit Draht gebundene Platten dämmen bescheiden, sind aber ein hervorragender Putzgrund für Lehm und Kalk und unempfindlich gegen Feuchte. Gut für unebene Wände und Fachwerk innen.

Kork verrottet nicht, ist druckfest und verträgt Feuchte. Das macht ihn interessant für Böden, erdnahe Bereiche und Schüttungen. Er kommt allerdings aus dem Mittelmeerraum und ist vergleichsweise teuer. Alte, schwarz verklebte Korkplatten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, etwa aus Kühlräumen, können mit teerhaltigen Klebern gebunden sein und sind dann ein Schadstofffall.

Kalziumsilikat dämmt von allen Genannten am schwächsten, saugt aber Wasser wie kein anderer und ist durch seinen hohen pH-Wert schimmelhemmend. Klassischer Einsatz: die schimmelgefährdete Außenecke, die Fensterlaibung, die dünne Innendämmung einer feuchteempfindlichen Wand. Die Platten sind spröde und brauchen offene, mineralische Anstriche. Eine Dispersionsfarbe oder Tapete darauf macht die Wirkung zunichte.

Mineralschaumplatten bestehen aus Kalk, Sand, Zement und Luftporen, im Grunde ein extrem leichter Porenbeton. Sie dämmen deutlich besser als Kalziumsilikat, sind nicht brennbar, kapillaraktiv und werden vollflächig verklebt. Nachteile: Sie sind brüchig, und alles Schwere, vom Hängeschrank bis zum Heizkörper, muss durch die Platte hindurch in der Wand befestigt werden.

Daneben gibt es Leichtlehm, Dämmputze auf Kalkbasis und mineralische Schüttungen für Decken und Hohlräume. Sie dämmen mäßig, gleichen aber Unebenheiten aus und passen bauphysikalisch gut.

Und die üblichen Verdächtigen?

Mineralwolle und Hartschaum sind nicht verboten und nicht grundsätzlich falsch. Mineralwolle ist diffusionsoffen, kann aber weder Feuchte puffern noch kapillar verteilen. Sie funktioniert im Dach, wenn die Luftdichtung auf der Raumseite wirklich sauber ausgeführt ist. Hartschaumplatten sind nahezu dampfdicht und gehören damit zur Strategie eins, mit all ihren Risiken an alten Wänden. An Fachwerk, Blockbau und feuchtebelastetem Mauerwerk haben sie nichts verloren.

Vorsicht beim Rückbau alter Dämmungen: Mineralwolle, die vor etwa der Jahrtausendwende eingebaut wurde, gilt als gesundheitlich bedenklich, weil ihre Fasern lungengängig und biobeständig sein können. Nicht ohne Schutz herausreißen, siehe Schadstoffe im Altbau.

Wo anfangen und was selbst machen?

Am meisten bringt fast immer zuerst die oberste Geschossdecke oder das Dach, dann die Kellerdecke, erst danach kommen die Wände. Die oberste Geschossdecke ist zugleich die dankbarste Eigenleistung: Holzfaserplatten oder Matten auf dem Dachboden auslegen, begehbar abdecken, fertig. Vorher prüfst du, was in der Decke steckt und ob sie trocken ist, siehe Holzbalkendecken. Auch das Ausstopfen von Fugen und das Dämmen zwischen den Sparren geht selbst, wenn ein Fachmann die Luftdichtung geplant hat.

Nicht ohne Planung: jede Innendämmung von Außenwänden. Hier sollte jemand mit bauphysikalischem Sachverstand den Aufbau festlegen, oft mit einer Feuchtesimulation, und dabei besonders auf Balkenköpfe, Fensteranschlüsse und einbindende Innenwände achten. Einblasdämmung ist Sache zertifizierter Betriebe. Rund um Kamin und Ofenrohr gelten Brandschutzabstände, die der Kaminkehrer kennt.

Das Gebäudeenergiegesetz kann Dämmpflichten auslösen, etwa nach einem Eigentümerwechsel, und für Dämmmaßnahmen gibt es Förderprogramme mit technischen Mindestanforderungen. Beides ändert sich immer wieder. Kläre den aktuellen Stand mit einer Energieberatung, bevor du Material bestellst, denn Förderanträge müssen in der Regel vor Beginn gestellt werden.

Typische Fehler

  • Hohlräume zwischen Wand und Innendämmung. Dort sammelt sich Tauwasser, und niemand sieht es.
  • Dichte Farbe, Tapete oder Fliesen auf kapillaraktiven Platten.
  • Zu viel des Guten. Mit jedem Zentimeter Innendämmung wird die alte Wand kälter und nasser.
  • Balkenköpfe rundum einpacken, ohne zu klären, wie sie künftig trocken bleiben.
  • Dampfbremsfolie im Altbau, angetackert und mit Steckdosen durchlöchert.
  • Bauschaum in jeder Fuge.

Kurz gesagt

  • Im Altbau zählt das Feuchteverhalten eines Dämmstoffs mindestens so viel wie der Dämmwert.
  • Kapillaraktive, diffusionsoffene Stoffe verzeihen die Unvollkommenheiten alter Häuser eher als dampfdichte Systeme.
  • Holzfaser und Zellulose für Dach und Decken, Hanf, Flachs und Wolle für Holzbau und Fugen, Kalziumsilikat und Mineralschaum für die Innendämmung massiver Wände, Schilf als Putzträger.
  • Immer hohlraumfrei einbauen und mit offenen Putzen und Farben kombinieren.
  • Oberste Geschossdecke selbst dämmen geht gut. Innendämmung nur mit Planung.
  • Erst trockenlegen, dann dämmen. Alte Mineralwolle nur mit Schutz und Sachverstand ausbauen.

Weiterführend