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Sanierung6 Minuten

Fenster: aufarbeiten oder tauschen?

Licht

Alte Fenster reparieren, energetisch aufrüsten oder nachbauen lassen: die Optionen – und warum das Fenster nie besser sein sollte als die Wand.

Kaum ein Bauteil wird so schnell aufgegeben wie das alte Fenster. „Die ziehen, die müssen raus” ist auf dem Land ein geflügeltes Wort – und der Grund, warum so viele Bauernhäuser heute aus weißen Kunststoffrahmen in die Welt schauen. Dabei ist ein hundertjähriges Holzfenster oft in besserem Zustand als gedacht, und mit dem Tausch fängt man sich gern neue Probleme ein.

Erst hinschauen: Was hast du da?

Historische Fenster – Kastenfenster, Verbundfenster, Einfachfenster mit Winterflügeln – sind unter Historische Fenster beschrieben. Für die Entscheidung zählen drei Dinge:

  • Holzqualität. Alte Fenster sind meist aus feinjährigem, harzreichem Kernholz von Kiefer oder Lärche, manchmal Eiche. So ein Holz bekommst du heute kaum noch. Es übersteht Jahrzehnte ohne Anstrich erstaunlich gut.
  • Schadensbild. Typisch sind verwitterte Wetterschenkel (das untere, vorstehende Querholz des Flügels), lose Eckverbindungen, spröder Kitt, abgeplatzte Farbe, verzogene Flügel. Das sieht dramatisch aus und ist fast immer reparabel. Kritisch wird es, wenn Rahmen und Flügel großflächig durchgefault sind.
  • Wert. Mundgeblasenes oder gezogenes Glas mit seinen Schlieren, handgeschmiedete Beschläge, feine Sprossenprofile – das alles ist mit dem Container weg und kommt nicht wieder.

Eine Prüfung mit dem Schraubenzieher (weiche Stellen?) und ein Termin mit einer Schreinerei, die Fenster wirklich repariert und nicht nur verkauft, klären die Lage. Vorsicht bei Schleif- und Abbrennarbeiten: Alte Anstriche können Blei enthalten, Fensterkitte aus manchen Nachkriegsjahrzehnten in Einzelfällen Asbest. Im Verdachtsfall beproben lassen und die Arbeit dem Fachbetrieb überlassen – siehe Schadstoffe.

Die Optionen

Option Was passiert Spricht dafür Spricht dagegen
Reparieren und abdichten Holz ausbessern, neu verkitten, gangbar machen, Dichtung einfräsen, streichen erhält Substanz und Bild, günstig, im Denkmal erste Wahl Dämmwirkung bleibt begrenzt
Kastenfenster aufrüsten Innenflügel erhält Isolier- oder Sonderglas und Dichtung, Außenflügel bleibt original sehr gute Werte bei vollem Erhalt der Außenansicht braucht tragfähige Innenflügel und eine gute Schreinerei
Zweite Ebene ergänzen Einfachfenster bekommt innen ein Vorsatz- oder neues Innenfenster macht aus dem Einfach- ein Kastenfenster, reversibel Laibungstiefe nötig, Bedienung zweier Flügel
Nachbau in Holz neues Holzfenster nach altem Vorbild mit Isolierglas dicht, wartungsarm in den ersten Jahren Profile werden breiter, Glas spiegelt anders, Originale sind weg
Standardfenster aus dem Katalog Kunststoff oder Holz-Alu in Normprofilen billig breite Rahmen, weniger Licht, falsche Proportionen, im Denkmal nicht genehmigungsfähig

Reparieren

Eine Fensterreparatur umfasst typischerweise: lose Verbindungen neu verleimen und verkeilen, faule Partien herausschneiden und mit passendem Holz ergänzen, Wetterschenkel erneuern, Glas neu einkitten, Beschläge richten, in den Falz eine unauffällige Dichtung einfräsen. Gestrichen wird diffusionsoffen, klassisch mit Leinölfarbe, die nicht abblättert, sondern abwittert und sich einfach nachpflegen lässt – mehr unter Historische Anstriche.

Das Kastenfenster als Energiesparfenster

Ein Kastenfenster besteht aus zwei Fensterebenen mit einem Luftraum von gut zehn Zentimetern dazwischen. Das ist ein besseres Prinzip, als viele glauben: Ein intaktes, gut eingestelltes Kastenfenster liegt energetisch ungefähr im Bereich eines Isolierglasfensters der 1980er oder 1990er Jahre. Bekommt der Innenflügel ein dünnes Isolierglas oder ein beschichtetes Sonderglas, erreicht die Konstruktion Werte, die sich vor neuen Fenstern nicht verstecken müssen – und der Schallschutz ist ohnehin hervorragend.

Eine Regel ist dabei wichtig: Innen dicht, außen etwas undicht. Die Dichtung gehört an den Innenflügel. Der Außenflügel darf leicht Luft ziehen, damit Feuchte aus dem Zwischenraum abtrocknet und die Außenscheibe nicht beschlägt.

Nachbau

Wenn die Substanz wirklich am Ende ist, ist ein handwerklicher Nachbau in Holz die richtige Antwort. Achte auf schlanke Profile, glasteilende Sprossen oder zumindest sauber ausgeführte aufgesetzte Sprossen mit Steg im Scheibenzwischenraum, auf die alte Teilung und darauf, dass das Fenster wieder dort in der Laibung sitzt, wo das alte saß. Ein Musterfenster klärt Proportionen, bevor zwanzig Stück gebaut sind. Im Denkmal wird das ohnehin mit der Behörde abgestimmt, siehe Denkmalschutz und Förderung.

Das Fenster darf nicht besser sein als die Wand

Das ist die wichtigste bauphysikalische Regel beim Fenstertausch. In einem ungedämmten Haus war die Einfachscheibe die kälteste Fläche im Raum: Dort schlug sich die Feuchte nieder, lief als Schwitzwasser in die Rinne am Fensterbrett und war weg. Das Fenster war der Entfeuchter des Hauses, und die undichten Fugen lüfteten rund um die Uhr.

Neue, dichte Fenster mit Dreifachglas drehen das um. Jetzt ist die kälteste Fläche die Fensterlaibung, die Raumecke oder die Wand hinter dem Schrank – und dort kondensiert die Feuchte, die nun auch nicht mehr von selbst abzieht. Das Ergebnis heißt Schimmel, meist im ersten oder zweiten Winter nach dem Tausch.

Deshalb gehört zu jedem Fenstertausch:

  • ein Lüftungskonzept – wie kommt künftig die Feuchte aus dem Haus? Siehe Lüften und Raumklima;
  • die Dämmung der Laibungen, auch wenn es nur zwei Zentimeter sind;
  • eine nüchterne Wahl der Verglasung: In der ungedämmten Wand ist ein gutes Zweifachglas oft die stimmigere Lösung als das Maximum.

Der Einbau entscheidet

Das beste Fenster taugt nichts, wenn es mit Bauschaum in ein ausgefranstes Loch geklebt wird. Die Anschlussfuge muss innen luftdicht und außen schlagregendicht, aber diffusionsoffener als innen ausgebildet sein. Beim Ausbau alter Stockrahmen leidet häufig die Laibung; historischer Putz und gemauerte Anschläge sollten erhalten oder wiederhergestellt werden. Fensterbänke außen brauchen Gefälle, Überstand und seitliche Aufkantungen, sonst läuft das Wasser in die Wand. Wird später innen gedämmt, muss das Fenster dafür schon passend sitzen – Reihenfolge und Planung gehören zusammen.

Kosten und Förderung

Reparatur ist nicht automatisch billiger als ein Katalogfenster, aber fast immer günstiger als ein denkmalgerechter Nachbau. Rechne ehrlich: Das reparierte Kastenfenster hält bei Pflege weitere Generationen, ein Kunststofffenster wird nach einigen Jahrzehnten komplett ersetzt, weil es sich nicht reparieren lässt. Für energetische Verbesserungen gibt es Förderprogramme mit eigenen Regeln für Denkmale und erhaltenswerte Substanz. Den aktuellen Stand klärt die Energieberatung, und zwar vor der Auftragsvergabe.

Typische Fehler

  • Fenster tauschen, bevor ein Gesamtkonzept für Hülle, Heizung und Lüftung steht.
  • Originale entsorgen, „weil die neuen ja schon bestellt sind”. Wenigstens Beschläge, Glas und ein Musterfenster aufheben.
  • Beide Ebenen eines Kastenfensters abdichten – dann beschlägt es zwischen den Scheiben.
  • Sprossen zwischen den Scheiben oder aufgeklebte Zierleisten: sieht man auf zwanzig Meter.
  • Alte Holzfenster mit dichten Kunstharzlacken zustreichen. Dahinter fault das Holz.

Kurz gesagt

  • Die meisten alten Holzfenster sind reparabel; ihr Holz ist oft besser als alles, was heute verbaut wird.
  • Kastenfenster lassen sich über den Innenflügel energetisch aufrüsten – innen dicht, außen leicht undicht.
  • Nachbau nur, wenn die Substanz am Ende ist, dann mit schlanken Profilen und Musterfenster.
  • Das Fenster darf nicht besser dämmen als die Wand, sonst wandert das Kondensat in Laibung und Ecken.
  • Zu jedem Fenstertausch gehören Lüftungskonzept, Laibungsdämmung und ein sauberer Anschluss.
  • Im Denkmal vorher mit der Behörde sprechen, Förderung vor Auftragsvergabe klären.

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