Welche Arbeiten du am alten Haus selbst übernehmen kannst, wo Fachbetriebe Pflicht sind und wie du Zeit, Schnittstellen und Versicherung im Griff behältst.
Alte Häuser und Eigenleistung gehören zusammen. Ein Bauernhaus wurde selten von Fremdfirmen gebaut, sondern vom Bauern, der Verwandtschaft und dem Zimmerer aus dem Nachbardorf. Viele der alten Techniken – Lehm, Kalk, Holz – sind gutmütig und verzeihen Anfängerfehler. Gefährlich wird es dort, wo man den Fehler nicht sieht: bei Strom, Statik und Staub, der es in sich hat.
Die ehrliche Vorfrage: Zeit
Eigenleistung kostet kein Geld, sondern Zeit – und zwar mehr, als du denkst. Für die meisten Arbeiten brauchst du als Laie das Zwei- bis Dreifache einer geübten Kraft, anfangs mehr. Ein Beispiel: 200 Quadratmeter Altputz abschlagen, Schutt hinaustragen, entsorgen, Fugen auskratzen – das sind für zwei Personen viele volle Wochenenden, nicht „ein verlängertes”. Wer Vollzeit arbeitet und Familie hat, schafft auf Dauer ein bis zwei Bautage pro Woche, und nach einem halben Jahr lässt die Begeisterung nach.
Rechne deshalb nüchtern: Welche Arbeiten haben einen hohen Lohnanteil, geringe Anforderungen und liegen nicht auf dem kritischen Weg der Handwerker? Genau die lohnen sich. Und was deine Arbeit im Budget wert ist, steht unter Kosten und Budget.
Was geht – und unter welcher Bedingung
| Arbeit | Eigenleistung? | Bedingung |
|---|---|---|
| Entrümpeln, Rückbau nicht tragender Einbauten | ja | erst nach Schadstoffprüfung; Klarheit, was trägt und was aussteift |
| Putz abschlagen, Fugen auskratzen | ja | Schadstoff- und Befundfrage geklärt; nur Putz, der wirklich weg muss |
| Lehmputz, Lehmsteine, Lehmschüttungen | ja | nach Einweisung durch einen Fachbetrieb oder Kurs |
| Kalkputz, Kalkanstriche | ja | nach Einweisung; Schutzbrille und Handschuhe, Kalk ätzt |
| Malerarbeiten, Holz ölen, Leinölfarbe | ja | passende, diffusionsoffene Materialien |
| Dämmung der obersten Geschossdecke, Dämmplatten innen setzen | ja | nach Planung der Schichten und Anschlüsse |
| Dielen aufarbeiten, Trockenbau, Fliesen | ja, mit Übung | Untergrund und Abdichtung im Bad vom Fachbetrieb |
| Schlitze stemmen, Leerrohre legen, Durchbrüche bohren | nach Absprache | nur nach Vorgabe des Fachbetriebs; tragende Wände mit Statik klären |
| Elektroinstallation, Gas, Trinkwasser | nein | eingetragene Fachbetriebe |
| Eingriffe ins Tragwerk, Unterfangungen, Deckenöffnungen | nein | Tragwerksplanung und Fachbetrieb |
| Schadstoffsanierung | nein | zugelassene Fachbetriebe |
| Schornstein, Feuerstätten anschließen | nein | Fachbetrieb, Abnahme durch den Kaminkehrer |
| Arbeiten auf dem Dach, Gerüstbau | nein | Absturzgefahr; Dachdeckerei, Zimmerei, Gerüstbauer |
| Schwammsanierung, chemischer Holzschutz, Injektionen | nein | Sachverständige und Fachbetrieb |
Rückbau: erst prüfen, dann reißen
Rückbau ist die klassische Eigenleistung und zugleich die riskanteste. Alles, was zwischen etwa 1950 und den frühen 1990ern eingebaut wurde, kann belastet sein: Faserzementplatten, Bodenbeläge und ihre Kleber, Spachtelmassen, Fliesenkleber, Nachtspeicheröfen, alte Mineralwolle, behandeltes Holz im Dachstuhl, teerhaltige Anstriche und Parkettkleber. Auch die Schüttung im Fehlboden kann Schlacke oder Schlimmeres enthalten. Du siehst es dem Material nicht an. Vor dem Rückbau gehören deshalb Proben ins Labor, genommen von jemandem, der weiß, wie – siehe Schadstoffe. Was belastet ist, macht der Fachbetrieb. Das ist keine Schikane: Ein Winkelschleifer an der falschen Platte verseucht das ganze Haus.
Zweite Regel: Nichts entfernen, dessen Funktion du nicht kennst. Unscheinbare Holzständer, Kopfbänder, Zwischenwände aus Fachwerk oder Blockwerk steifen oft das Haus aus. Im Zweifel fragt man die Statik, bevor die Säge läuft.
Dritte Regel: Bergen statt wegwerfen. Dielen, Türen, Beschläge, Fensterflügel, handgestrichene Ziegel, Solnhofener Platten – sauber ausbauen, beschriften, trocken lagern. Das ist Material, das du nirgends mehr kaufen kannst.
Putz abschlagen
Bevor der Bohrhammer läuft, drei Fragen: Muss der Putz wirklich weg? Fester, alter Kalkputz ist wertvoll und wird besser repariert als ersetzt; weg müssen Zementputze, Gipsputze auf feuchten Wänden, hohl liegende und versalzene Partien. Ist es ein Denkmal oder könnten Malereien und alte Fassungen darunterliegen? Dann erst die Befunduntersuchung. Und: Ist der Putz jünger und damit ein Fall fürs Labor?
Auf Bruchsteinmauerwerk arbeitest du mit Gefühl und leichtem Gerät – der schwere Abbruchhammer holt die Steine gleich mit heraus. Staubschutz für dich, Staubwände für den Rest des Hauses. Mehr zu den Schichten unter Putz und Fassade.
Lehm und Kalk
Hier ist Eigenleistung am schönsten. Lehm ist wasserlöslich und damit endlos korrigierbar: Was nicht gefällt, wird angefeuchtet und neu verrieben. Er greift die Haut nicht an, und die Unterputzlagen in einem ganzen Haus sind eine typische Bauherrenarbeit, während der Profi den Feinputz zieht. Viele Lehmbaubetriebe bieten genau dieses Modell an: Einweisung, Material, Kontrolle.
Kalk verlangt mehr Respekt. Er ist stark alkalisch – ein Spritzer im Auge ist ein Notfall, Schutzbrille ist Pflicht. Kalkputz will dünne Lagen, vorgenässten Untergrund und tagelanges Feuchthalten, sonst „verbrennt” er und sandet ab. Kalkanstriche sind dagegen dankbar: dünn, in mehreren Lagen, nass in feucht.
Dämmung einbringen
Die oberste Geschossdecke zu dämmen oder Innendämmplatten zu setzen ist handwerklich machbar. Das Risiko liegt nicht im Verlegen, sondern im Konzept: falscher Schichtaufbau, Hohlräume hinter Platten, löchrige Luftdichtheit. Deshalb gilt hier „nach Planung” wörtlich – Aufbau, Materialien und Anschlussdetails legt jemand fest, der das rechnen kann. Einblasdämmung ist Sache von Fachbetrieben mit der passenden Maschine.
Was nicht geht – und warum
- Elektro. Arbeiten an der Anlage dürfen nur eingetragene Fachbetriebe ausführen. Es geht um Brand und Stromschlag, und im Schadensfall auch um deinen Versicherungsschutz. Was möglich ist, regelst du mit dem Betrieb: Schlitze, Leerrohre, Dosenlöcher nach seiner Vorgabe. Mehr unter Elektro, Wasser, Abwasser erneuern.
- Gas und Trinkwasser. Fachbetrieb, ohne Ausnahme.
- Statik. Tragende Wände, Decken, Dachstuhl, Fundamente: erst rechnen lassen, dann vom Fachbetrieb ausführen lassen. Auch das Abgraben am Fundament gehört hierher.
- Schadstoffe. Asbest, alte Mineralwolle, PAK, Holzschutzmittel, Bleifarben: zugelassene Betriebe mit Schutzausrüstung und geregelter Entsorgung.
- Schornstein und Feuerstätten. Fehler bedeuten Brand oder Kohlenmonoxid. Planung mit dem Kaminkehrer, Ausführung durch den Fachbetrieb.
- Dach und Höhe. Abstürze sind die häufigste schwere Unfallursache am Bau.
Schnittstellen mit den Handwerkern
Eigenleistung funktioniert nur, wenn sie abgesprochen ist. Kläre schriftlich, wer was bis wann in welcher Qualität liefert. Wenn dein Unterputz nicht fertig ist, steht der Elektriker vor der Tür und fährt wieder – und stellt die Anfahrt in Rechnung. Für das, was du selbst machst, gibt es keine Gewährleistung, und an den Übergängen wird im Schadensfall gestritten: War es dein Untergrund oder sein Belag? Gute Betriebe nehmen den Untergrund förmlich ab, bevor sie weiterarbeiten. Nicht jeder Betrieb mag Bauherren auf der Baustelle; frag das vor der Auftragsvergabe.
Versicherung und Helfer
Nur als Hinweis, die Einzelheiten klärst du mit Versicherer und Berufsgenossenschaft: Private Helfer auf der Baustelle – auch unbezahlte Freunde und Verwandte – müssen in der Regel bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft angemeldet werden und sind darüber unfallversichert. Du selbst und dein Ehepartner seid es nicht automatisch. Bauherrenhaftpflicht und eine Absicherung des Gebäudes während der Bauzeit gehören ebenfalls geklärt, bevor der erste Helfer die Leiter hochsteigt.
Kurz gesagt
- Eigenleistung lohnt bei lohnintensiven, unkritischen Arbeiten: Rückbau, Putz abschlagen, Lehm- und Kalkarbeiten, Anstriche, Dämmung nach Plan.
- Vor jedem Rückbau Schadstoffe prüfen lassen; nichts entfernen, dessen tragende Funktion unklar ist.
- Elektro, Gas, Trinkwasser, Statik, Schadstoffe, Schornstein und Dacharbeiten sind Sache von Fachbetrieben.
- Rechne mit dem Zwei- bis Dreifachen der Profi-Zeit und plane Eigenleistung nicht auf den kritischen Weg.
- Schnittstellen schriftlich klären, Helfer anmelden, Versicherungen prüfen.